SATZTECHNISCHE UNTERSUCHUNGEN ZUM IDIOSYNKRATISCHEN „NEO-NEOKLASSIZISMUS“ DES SPÄTEN LIGETI ANHAND DES 2. SATZES SEINES VIOLINKONZERTS

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  • Robert Christoph Bauer Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig,, Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, Wenn ich in Temeschburg/Timişoara einen Vortrag zu György Ligetis Violinkonzert halte, so tue ich, dies nicht nur aufgrund meiner großen persönlichen Vorliebe und Bewunderung für die Musik dieses, Komponisten, sondern auch als Hommage an Ligetis Geburtsland Rumänien, genauer gesagt die Region, Siebenbürgen. Es ist guter musikwissenschaftlicher Standard, eine allzu starke, mystifizierende Verquickung, werkanalytischer Befunde mit biographischen Aspekten zu vermeiden, und ich möchte auch auf gar keinen, Fall in den Modus des antiquierten Taschen-Konzertführers verfallen. Und dennoch: wenn etwa der britische, Radio-Redakteur Stephen Johnson das Violinkonzert als „a wild collage of atmospheres and colours“1, charakterisiert, so fällt es mir schwer, hierbei nicht an Siebenbürgen zu denken – jenes Land, in dem sich, jahrhundertelang Einflüsse aus Ost und West mischten, in dem sich rumänische, ungarische und deutsche, Sprachinseln wie auf einem Flickenteppich aneinanderreihen und doch in gewisser Weise eine gemeinsame, historische Identität teilten. (Am Rande sei nur erwähnt, dass Siebenbürgen bis ins 19. Jahrhundert hinein, ein multiethnisches, multireligiöses Fürstentum mit mittelalterlicher Verfassung war, in dem feudale und, demokratische Elemente parallel existierten.) Ich bin fast sicher, dass Ligeti durch die gemischten, volkskulturellen Einflüsse und Traditionen seiner Heimat wesentlich stärker geprägt wurde als etwa durch, seine Zugehörigkeit zur ungarischen Volksgruppe – und genau jene Mischung aus Ost und West, aus, Unerwartetem und Archaischem ist ein wesentliches Merkmal von Ligetis Spätstil, wie er im 2. Satz des, Violinkonzerts, immerhin mehr als 30 Jahre nach der Westemigration des Komponisten, geradezu, mustergültig zum Ausdruck kommt., Eine tiefergehende analytische Auseinandersetzung mit einem Ligeti’schen Spätwerk, noch dazu, wenn es von solch einer merkwürdigen Aura gekennzeichnet ist wie das Violinkonzert, führt wohl fast, zwangsläufig auch zu einer ästhetischen Reflexion des Begriffs „Spätstil“. So stellte ich mir bei der, Beschäftigung mit dem Werk interessanterweise ganz ähnliche Fragen, wie sie in der Auseinandersetzung, mit Debussys eigenartigem Spätwerk „En blanc et noir“ auftauchten, über das ich vor wenigen Jahren meine, Abschlussarbeit an der Musikhochschule Freiburg verfasste., 1 JOHNSON 2007. Author

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2026-02-11